Wer hätte gedacht, dass Konrad Duden schon im 19. Jahrhundert ein Herz für englische Lehnwörter hatte? Bei einer kniffligen 32.000-Euro-Frage in der aktuellen Ausgabe von „Wer wird Millionär?“ rauchten bei den Zuschauern die Köpfe. Welcher scheinbar moderne Begriff stand wirklich schon vor über 140 Jahren im offiziellen Wörterbuch?
Sprache ist ständig im Wandel. Heute regen sich viele über zu viele Anglizismen (englische Wörter im Deutschen) auf. Doch wie Günther Jauch bei dieser spannenden 32.000-Euro-Frage bewies, ist das Phänomen keineswegs neu.
Die Frage lautete:
„Welcher Anglizismus ist bereits im Urduden von 1880 zu finden?“
- A: Job
- B: Shampoo
- C: okay
- D: Dandy
O.K. oder doch ein Job? Die falschen Fährten
Die WWM-Redaktion hat hier clevere Stolpersteine eingebaut. Wenn wir an Anglizismen denken, fallen uns sofort Wörter wie „okay“ oder „Job“ ein.
- okay (C): Das weltberühmte „O.K.“ entstand zwar schon im 19. Jahrhundert in den USA (als Abkürzung für oll korrect, eine absichtlich falsche Schreibweise von all correct), fand aber erst im Laufe des 20. Jahrhunderts – vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg – massenhaft Einzug in die deutsche Alltagssprache und den Duden.
- Job (A): Auch der „Job“ als Synonym für den Beruf oder die Arbeitsstelle etablierte sich erst deutlich später in den deutschen Wörterbüchern.
- Shampoo (B): Der Begriff stammt ursprünglich sogar aus dem Hindi (chāmpo), kam über das Englische zu uns, wurde aber um 1880 im Deutschen in der Regel noch brav als „Haarwäsche“ oder „Kopfwäsche“ bezeichnet. Später schrieb man es im Deutschen übrigens lange Zeit in der amüsanten Form „Schampun“.
Die Auflösung: Der Dandy war schon 1880 hip
Die richtige Antwort ist D: Dandy!
Als Konrad Duden am 7. Juli 1880 sein berühmtes „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ (den sogenannten Urduden) veröffentlichte, waren darin gerade einmal 27.000 Stichwörter zu finden. Eines davon war tatsächlich der Dandy.
Was ist überhaupt ein Dandy? Der Begriff stammt aus dem England des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Er bezeichnete einen Mann, der extrem viel Wert auf modische Kleidung, ein elegantes Auftreten und einen geistreichen Lebensstil legte. Berühmte Schriftsteller wie Heinrich Heine brachten den Begriff des englischen Gentlemans schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die deutsche Literatur.
Für die gebildete Gesellschaft im Jahr 1880 war der „Dandy“ also ein völlig normaler, etablierter Begriff – und Konrad Duden nahm ihn ganz offiziell in sein Nachschlagewerk auf.
Fazit: Anglizismen sind älter als man denkt
Wer bei dieser Frage richtig kombiniert hat, dass Mode-Begriffe der englischen Oberschicht früher nach Deutschland schwappten als moderne Arbeitsbegriffe, konnte sich über 32.000 Euro freuen. Und wir wissen jetzt: Anglizismen sind keine Erfindung der Generation Z!



